einTrip durch die Zeit - Ranzengarde Bürgel

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Über die Raga

100 Jahre Ranzengarde Bürgel
- ein Trip durch die Zeit -




Als sich die 18 Gründungsmitglieder der RAGA im Jahre 1904 zusammensetzten, hätte sicher niemand damit gerechnet, dass hieraus einmal der zweitgrößte Verein im Städtchen werden sollte. Bürgel, damals noch eigenständig mit Bürgermeister Kaspar Lammert, so fanden die Herren um Karl Stenger und Heinrich Adam, sei reif für einen Geselligkeitsverein.

Dies war der Bürgeler Geistlichkeit ein echter Dorn im Auge und man versuchte mit allen Mitteln einen Karnevalsverein zu verhindern, der „gegen Religion und gute Sitten verstoße“. Der Hartnäckigkeit der Gründer ist es zu verdanken, dass die RAGA im Jahre 2004 ihr 100jähriges Jubiläum feiern kann.

Man orientierte sich am Mainzer Vorbild und persiflierte mit der Uniform der Garde die preußische Armee.

Bereits im zweiten Vereinsjahr planten die RAGA- Gründer einen Festumzug durch die Straßen Bürgels und legten damit den Grundstein für die heutige Kappenfahrt. Ein Maskenball sollte ebenfalls stattfinden. Um diesem nach außen hin die richtige Würdigung zu verleihen, gründete man ein Ehrenkommitee aus älteren Mitgliedern. So entstand – wer hätte das gedacht – der Ehrenrat der RAGA.

Im Jahre 1908 war es die Bürgeler Weiblichkeit statt, immer nur der Garde zuzusehen und die erste Damensitzung wurde organisiert. Der Eintrittspreis betrug 25 Pfennige. Ein Jahr später wurde aufgrund der Nachfrage der Preis verdoppelt und für reservierte Plätze mußten die Damen gar 80 Pfennige berappen.

1909 zum 5-jährigen Bestehen gründete man das erste Elferkomitee.

In den Jahren des ersten Weltkrieges fand auch in Bürgel die Fastnacht nicht statt. Die meisten Männer waren zum Kriegsdienst verpflichtet und die Gebliebenen hatten andere Sorgen.

1922 nahm man auf Initiative von  Franz Ohlig, in der Hoffnung auf nun wieder friedliche Zeiten, das Vereinsleben wieder auf. Bis 1936 verliefen die Kampagnen außerordentlich erfolgreich. Eine Damensitzung wurde sogar im Rundfunk übertragen.

Leider drückten die politischen Machthaber dieser Zeit auch dem karnevalistischen Vereinsleben ihrem Stempel auf. Vorträge wurden zensiert, Liedtexte neu bearbeitet. Mit Ausbruch des zweiten Weltkrieges erstarb auch das Vereinsleben. Die Männer mußten erneut den Kriegsdienst antreten oder waren plötzlich politisch Verfolgte. Viele RAGA- Mitglieder ließen ihr Leben für Führer, Volk und Vaterland. Nach Kriegsende wurden zunächst alle Vereine von der Militärregierung aufgelöst. Doch bereits im November 1945 brachte Ludwig Rosenberg ein paar ehemalige Vereinsaktive wieder zusammen und trotz nächtlicher Ausgangssperre baute man das Vereinsleben Stück für Stück wieder auf. Im Jahre 1947 organisierte man wieder zwei Sitzungen. Diese waren ein voller Erfolg und brachten das finanzielle Fundament zum Wiederaufbau des Vereines. Die Wiedergründungsversammlung des Vereins fand am 15.3.1947 im Bootshaus des Wassersportvereins statt. Die folgenden Jahre waren vom Wiederaufbau geprägt. Kriegsheimkehrer füllten die Reihen der Gardisten allmählich wieder auf. Neue Uniformen wurden genäht, teilweise aus alten Hitlerfahnen. Kappenabende, Maskenbälle und Sitzungen fanden im Gasthaus „Zum Anker“ statt. 1949 gründete Ludwig Rosenberg die Jugendabteilung, die bereits im ersten Jahr eine eigene Sitzung auf die Beine stellte.

Am 17.7.1954 folgte ein weiterer, äußerst wichtiger Schritt für die Zukunft des burgillanischen und lederanischen Karnevals. Die „Bürgeler Akte“ wurde besiegelt. Es schlossen sich sämtliche Offenbacher Fastnachtsvereine in der Dachorganisation „OKV“ zusammen.

Nach 1958 begann sich das soziale Gefüge der Garde zu wandeln, man wollte nicht nur an Fastnacht zusammen feiern, sondern dehnte die gemeinsamen Aktivitäten auch über das restliche Jahr aus. Vatertagsausflüge und Familienveranstaltungen wurden organisiert. Mittlerweile gab es ja auch in der Garde viele junge Eltern.

1963 brachte einen weiteren Höhepunkt des Vereinsgeschehens. Die Ranzengarde erhielt eine Einladung zur Mitwirkung am Sommerkarnevalszug in Bethnal Green (London). Der Verein war dort mit Prinzenpaar und Vorstand vertreten.

Die steigende Bedeutung der Bürgeler Kappenfahrt manifestierte sich 1971. Am Fastnachtsdienstag wurde von Ludwig Gessert zusammen mit dem Offenbacher Prinz Kurt III (Vetter) schon morgens die Schule mit großem Hallo gestürmt.

Die Jahre 1976/77 brachten nach einigen Krisensitzungen vorstandsmäßige Veränderungen im Verein. Nach langem Hin und Herr übernahm schließlich Otto Refle den Vorsitz. Fred Stephan wurde der neue Sitzungspräsident. Den Vorsitz des Ehrenrats übernahm Karl Herdt, der jahrelang Mäzen der RAGA war.

In den folgenden Jahren hatten alle Fastnachtsveranstaltungen einen guten Verlauf und erfreuten sich regen Zuspruchs. Eine weitere Tradition entstand: Die RAGA organisierte die Bürgeler Kerb.

Nur zweimal verließ Gott Jokus in all den Jahren die Bürgeler Narren. 1990 mußte die Kappenfahrt im letzten Moment wegen orkanartigen Stürmen abgesagt werden. Im Jahr darauf fiel sie wegen des Irak-Krieges aus.

1995 übernahm Wolfgang Zühlke das Amt des Sitzungspräsidenten.

Zu einem weiteren Bestandteil wurde in den Neunzigern die jährlich stattfindenden Städtereisen. Ziele waren z.B. Paris, Budapest, Prag, London und sogar New York. Unter dem neuen Vereinslogo „Die RAGA – Fastnacht und mehr“ wurden alle Vereinsaktivitäten zusammengefaßt. Es soll deutlich machen, daß die RAGA inzwischen weit mehr ist als nur ein Fastnachtsverein, eben ein Verein für die ganze Familie und das ganze Jahr. Fest steht, daß die Gründer im Jahre 1904 genau dies im Auge hatten, als sie einen Geselligkeitsverein gründeten.

Einhundert Jahre Vereinsgeschichte sind verbunden mit vielen Namen, vielen Gesichtern, vielen Anekdoten und Geschichten, die in unserer Festschrift anläßlich des Jubiläums im Jahre 2004 im einzelnen erwähnt und erzählt werden sollen.



 
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